20. Februar 2025

Ein Zweifrontenkrieg: Afroamerikanische Frauen im US-Militär während des Zweiten Weltkriegs

Das 6888. Central Postal Directory Battalion (Zentrales Postverzeichnis-Bataillon) war die einzige schwarze Einheit des Frauenkorps der U.S. Armee (Women’s U.S. Army Corps, WAC), die während des Zweiten Weltkriegs in Übersee eingesetzt wurde. Ihre Geschichte und ihre Leistungen, die jahrzehntelang übersehen wurden, werden nun durch den kürzlich auf der Streaming-Plattform Netflix veröffentlichten Film The Six Triple Eight ans Licht gebracht.

Im Jahr 1945 sorgte eine große Menge nicht verteilter Post für wachsende Frustration unter den in Europa dienenden US-amerikanischen Soldaten, da sie lange Zeit nichts von ihren Familien in der Heimat gehört hatten. Der lange unaufgelöste Poststau begann sich stark auf die Moral der Soldaten auszuwirken, für die ein Brief von Angehörigen in verzweifelten Momenten an der Kriegsfront einen Hoffnungsschimmer darstellte. Dank der Fürsprache der Bürgerrechtlerin Mary McLeod Bethune und der Unterstützung der First Lady Eleanor Roosevelt setzte die U.S.-Regierung ein rein schwarzes Bataillon des Women’s U.S. Army Corps unter der Leitung von Major Charity Adams Earley ein, um das Problem zu lösen. Das 6888th Central Postal Directory Battalion setzte sich insgesamt aus 855 afroamerikanischen Frauen zusammen.

Mit einer wichtigen Aufgabe betraut  

Im Februar 1945 wurde die Einheit nach England entsandt, wo sie den Rückstand von siebzehn Millionen Sendungen innerhalb von sechs Monaten abarbeiten sollten. Sie waren die einzige schwarze, rein weibliche Armeeeinheit, die in Übersee Dienst tat. Das im Film erwähnte Motto „Wenn es keine Post gibt, ist die Moral schlecht“ motivierte ihre Mitglieder, drei Acht-Stunden-Schichten an sieben Tagen in der Woche unter entsetzlichen Bedingungen zu arbeiten. Das ungeheizte, feuchte und rattenverseuchte Lagerhaus, in dem sie arbeiteten, war nur eines der Dinge, die ihre Situation erschwerten.

Kampf gegen intersektionelle Diskriminierung  

Der Regisseur des Films, Tyler Perry, wollte die komplizierte Situation farbiger Frauen hervorheben, die in der US-Armee täglich mit Diskriminierung und Rassismus konfrontiert sind. In einer emotionalen Szene des Films sagt die Figur des Major Adams Earley: „Ich weiß, wir führen einen Krieg, aber unser Krieg beginnt damit, dass wir Schwarz sind. Wir kämpfen an allen Fronten.”  

Bevor sie nach Europa geschickt wurden, erlebten viele dieser Frauen während ihrer Ausbildung die Segregation, z. B. getrennte Wohnräume, Esstische und eine nach Rassen getrennte Ausbildung. Die Segregation sowie die sexistische und rassistische Behandlung durch männliche Soldaten setzten sich auch während ihres Einsatzes in England fort. Trotzdem bewies die Einheit, dass diejenigen, die ihre Fähigkeiten unterschätzt hatten, falsch lagen. Sie schafften es, fast 18 Millionen Pakete zu sortieren und die Aufgabe in der Hälfte der erwarteten Zeit zu erledigen. 

Die Arbeit des 6888th Central Postal Directory Battalion wurde in Frankreich fortgesetzt, nachdem die Arbeit in England beendet war. Trotz der Einzigartigkeit dieser Geschichte war dies nicht die einzige Art und Weise, in der afroamerikanische Frauen während des Zweiten Weltkriegs an den Bemühungen der Alliierten beteiligt waren. Weitere 500 Frauen dienten in der US-Armee, zum Beispiel als Krankenschwestern.

Eine selten erzählte Kriegserfahrung  

Die Entdeckung der Geschichten benachteiligter Bevölkerungsgruppen bietet eine neue, komplexere Perspektive auf die Vergangenheit, die die Erfahrungen aller einbezieht und nicht nur den Linien der oft erzählten Geschichten folgt. Tyler Perrys Film erinnert uns daran, wie wichtig es ist, diese übersehenen Themen in die Populärkultur einzubringen. Diese haben das Potenzial, ein breites Publikum aufzuklären und neue Zuschauergruppen zu erreichen.

Im Gegensatz zu anderen Kriegsfilmen zeigt The Six Triple Eight nicht viele Kriegsszenen. Stattdessen bietet Tyler Perry dem Zuschauer die Geschichte der Protagonistin Lena, inspiriert durch das Zeugnis von Lena Derriecott. Durch ihren Bericht erfahren wir die Frustration und Ambivalenz schwarzer amerikanischer Frauen, die für ihr Land kämpfen wollten, aber in der US-amerikanischen Armee als Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt wurden.

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