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Kazerne Dossin

Die Dossin-Kaserne wurde 1756 für die Unterbringung von 2.400 Infanteristen errichtet. Bis Juli 1942 diente sie militärischen Zwecken, dann funktionierten die deutschen Besatzer die Gebäude in ein Sammellager für Juden, Sinti und Roma um. Von hier aus wurden 25.484 Juden sowie 352 Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau oder in andere, kleinere Konzentrationslager abtransportiert. Nicht einmal fünf Prozent der Deportierten überlebten.

Im September 1944, als große Teile Belgiens bereits befreit waren, diente die Dossin-Kaserne als Internierungslager für vermeintliche Nazi-Kollaborateure, die hier auf ihren Prozess warteten.
Fünfzig Jahre nach Kriegsende bezog das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum das Gebäude, und 2011 wurde der gesamte Komplex in »Memoriaal, Museum en Documentatiecentrum over Holocaust en Mensenrechten« umbenannt.

Das Museum beschäftigt sich mit der Geschichte des Holocaust, der deutschen Besatzung, des Antisemitismus und der Kollaboration in Belgien. Der Holocaust wird sowohl aus der Perspektive der Täter als auch der Opfer behandelt. Von einer riesigen, über alle Etagen des Museums reichenden Fotowand schauen die Deportierten den Besucher an. So wird den Opfern wieder eine Identität verliehen – in deutlichem Kontrast zu den Bildern der aufgestachelten Menge, die sie verfolgte.

Doch in der Kazerne Dossin wird nicht nur die Geschichte des Zweiten Weltkriegs erzählt: Ausgehend vom Holocaust, untersucht man hier die zeitlosen Mechanismen des Gruppendrucks und der kollektiven Gewalt, die unter bestimmten Umständen zu Massenmord und Genozid führen können. Daher ist die Kazerne Dossin auch ein Museum über Massengewalt.

Das Dokumentationszentrum zeigt eine Sammlung persönlicher Dokumente von 4.400 jüdischen Deportierten, darunter Briefe, Ausweise und Arbeitspapiere.

Kazerne Dossin